Bericht von der 33. Jahrestagung der ARCHIS in Hamburg

28. - 30.01.2026
Bericht von der 33. Jahrestagung der ARCHIS in Hamburg

 

Bericht von der 33. Jahrestagung der ARCHIS in Hamburg

 

Die 33. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der chirurgischen Sanitätsoffiziere (ARCHIS) fand vom 28. bis zum 30. Januar 2026, wissenschaftlich organisiert vom ortsansässigen Bundeswehrkrankenhaus, in Hamburg statt. Es wurden exakt 192 registrierte Teilnehmende, davon 57 Damen und Herren der Industrie für Medizinprodukte gezählt. An erster Stelle: Wer nicht dabei war, hat einen erstklassigen Kongress verpasst, der hinsichtlich der Programmgestaltung, der Inhalte und der Stimmung als außergewöhnlich einzustufen ist.

Der erste Tag der Veranstaltung war traditionell dem Damage Control Surgery (DCS)-Contest der Bundeswehrkrankenhäuser (BwKrhs) gewidmet. In diesem Jahr fand der Teamwettbewerb im Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr der Marine in Neustadt/Ostholstein mit anspruchsvollen Aufgaben statt, wie z.B. der Verletztenrettung auf einem Schiff. Darüber hinaus waren weitere hochwertige Fortbildungen wie der Workshop „Einsatzchirurgie am Präparat“, ein Schockraumtraining sowie ein Führungskräfteseminar in Zusammenarbeit mit der Führungsakademie im Angebot. 

Den Kongressabend am Mittwoch eröffnete Oberstapotheker Dr. Bernd Klaubert, der neue Präsident der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie (DGWMP). Nach einem kleinen Imbiss und einem ersten Gedankenaustausch hielt der Befehlshaber des zentralen Sanitätsdienstes, Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, vor vollem Haus seinen Lagevortrag (Abbildungen 1 und 2). Er verwies auf die Herausforderungen, denen sich der Sanitätsdienst in dieser krisenhaften Zeit stellt. Die neuen Strukturen, die Integration in das Unterstützungskommando sowie die allgemeine Personalmangellage müssen künftig mit Priorität angegangen werden. Er machte darüber hinaus deutlich, dass diese Anstrengungen von allen gemeinsam erbracht werden müssen.


Abb. 1: Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann bei seinem Lagevortrag

 


Abb. 2: Ein voller Saal beim Vortrag des Befehlshabers

 

Mit einem schwungvollen Hamburger „Moin“ leitete der Vorsitzende der ARCHIS, Oberstarzt Dr. Christoph Güsgen, das Kongressprogramm des nächsten Tages ein (Abbildung 3). In seinem Grußwort unterstrich der Präsident der DGWMP die besondere Rolle der Chirurgie in der Einsatzmedizin und setzte seine Hoffnungen auf die Next Generation (Abbildung 4). Die Hamburger Senatorin für Gesundheit und Soziales, Melanie Schlotzhauer, betonte die Bedeutung der Bundeswehrkrankenhäuser in Krisenzeiten. Sie sagte: „Mir ist Ihre Arbeit eine der wichtigsten, die wir in den kommenden Jahren brauchen werden!“ Oberstarzt Dr. Thomas Harbaum, der Kommandeur des BwKrhs Hamburg, schloss die Reihe der Grußworte ab und hieß die Teilnehmenden sehr herzlich willkommen.


Abb. 3: Oberstarzt Dr. Christoph Güsgen, Vorsitzender der ARCHIS


Abb. 4: Oberstapotheker Dr. Bernd Klaubert, der neue Präsident der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie.

 

Der Festvortrag war gleich schon eines der Highlights des Kongresses. Oberfeldarzt Dr. Bernhard Gropp aus Berlin berichtete über die Probleme der Langzeitisolation in der Antarktis und führte das Auditorium in diese einsame, unwirtliche Welt des ewigen Eises ein. Dabei erklärte er auf spannende und anschauliche Weise, wie ein 14-monatiger Aufenthalt den menschlichen Körper beeinflusst, insbesondere das Herz-Kreislauf-System.

Der nächste Vortragsblock war vollständig der Krankenhausstruktur und der Zukunft der Militärchirurgie gewidmet. Interessant waren die verschiedenen Perspektiven der Vortragenden. Den Anfang zu diesem Thema machte der Kommandeur des Kommandos Gesundheitsversorgung, Generalstabsarzt Dr. Johannes Backus (Abbildung 5). Sein Vortrag erläuterte explizit die zentralen Herausforderungen bei der Weiterentwicklung der BwKrhs und der Chirurgenausbildung. Es sei allen Beteiligten klar, dass die zivilen gesetzlichen Vorgaben wie Mindestmengen, Leistungsgruppen und Traumabehandlung erhebliche Auswirkungen auf die Generierung von Fachärzten in den BwKrhs haben werden. In diesem Zusammenhang hob er die enorme Bedeutung der Vernetzung mit leistungsstarken Kooperationspartnern hervor.


Abb. 5: Generalstabsarzt Dr. Backus bei seinem Vortrag

 

OTA Prof. Dr. Erwin Kollig, Klinischer Direktor der Unfallchirurgie des BwZKrhs Koblenz, führte die Erfahrungen eines langjährigen Abteilungschefs vor Augen und appellierte, die traumarelevanten Disziplinen in den BwKrhs insgesamt zu stärken. OFA Dr. Lisa Hackenberg machte dem Auditorium in ihrem beeindruckenden Vortrag die Perspektive der Next Generation deutlich. Demnach beschreibt sich die Next Generation (Next Gen) selbst als fachlich exzellent und einsatzbereit, stellt dabei aber auch klare Erwartungen an die Struktur, die Führung und die Planbarkeit ihres Arbeitslebens. Mit dem Begriff Next Gen manifestiert sich im chirurgischen Sinne nicht nur das Alter, sondern auch eine selbstbewusste Grundhaltung, die es zu beachten und zu nutzen gilt. Dennoch lässt sich auf dieser Basis das zukünftige militärchirurgische Mindset positiv weiterentwickeln. Die Perspektive der Reservisten wurde in einem kurzen Statement von OFA d.R. Priv.-Doz. Dr. Jürgen Tepel, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie sowie Ärztlicher Direktor am Klinikum Osnabrück, dargestellt. Es fehlt den Reservisten nicht am Willen, entsprechende Dienstleistungen zu erbringen, aber derzeit sind die Strukturen hierzu noch nicht wieder aufgebaut. Die Sicht der zivilen Kooperationspartner wurde von Professor Dr. Karl-Heinz Frosch erläutert, dem Direktor und Lehrstuhlinhaber für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und am BG-Klinikum Boberg. Er wies darauf hin, dass zivil-militärische Kooperationsprojekte für beide Seiten erhebliche Vorteile bringen.

Nach der Mittagspause ergaben sich insgesamt vier spannende Vortragsblöcke, die im Wesentlichen von der Next Generation geplant und geleitet wurden. Hier ging es um „Traumacouch – gemeinsam Probleme lösen“, „Septische Chirurgie“, „Five Minutes for Science“, und zum Abschluss gab es eine Videositzung mit minimal-invasiver Chirurgie.

Zum Auftakt der Abendveranstaltung nahmen der Kommandeur Gesundheitsversorgung GSA Dr. Backus und der Präsident OTAp Dr. Klaubert gemeinsam die Siegerehrung des DCS-Contests vor. Unter lautem Beifall des versammelten Auditoriums ging die Gewinner-Trophäe in diesem Jahr an das Team des BwKrhs Ulm. Der Festabend sorgte abschließend bis spät in die Nacht für die notwendige Vertiefung und Stärkung der Corporate Identity.
Der letzte Kongresstag war wiederum von guten und informativen Sitzungen geprägt.
Den Auftakt machte Flottenarzt Dr. Susanne Brechtel, Referatsleiterin im Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr. Sie erläuterte die allgemeine Personallage bei den Sanitätsoffizieren und gab insgesamt positive Ausblicke auf die Karrieremöglichkeiten für Militärchirurgen der Zukunft. Die nächste Sitzung analysierte die Perspektiven der Einsatzchirurgie 2.0. Bemerkenswert war in diesem Zusammenhang, dass der einhellige Wunsch aufkam, in den Planungen der Zukunft möglichst nicht mehr von Einsatzchirurgie, sondern von Militärchirurgie zu sprechen, weil die Frequenz internationaler Einsätze abgenommen hat. Dies ist als Meilenstein zu werten, weil der Begriff Einsatzchirurgie die ARCHIS und deren Arbeit über mehr als 30 Jahre hinweg sehr geprägt hat.

Besondere Erwähnung verdient eine neue Form der Poster-Ausstellung, die das Kongresspublikum mittels digital aufzurufender QR-Codes in den Bann gezogen hat. Jedes Poster hatte einen QR-Code, der mit dem Smartphone abfotografiert und für die Abstimmung verwendet werden konnte. Das Ranking führte anschließend zu den fünf am besten bewerteten Postern, die am letzten Kongresstag in einer eigenen Sitzung präsentiert und wiederum vom Publikum bewertet wurden. Die Siegerin des diesjährigen Wettbewerbs waren Stabsarzt Julia Neumann und ihre Co-Autoren vom BwZKrhs Koblenz mit einem Poster über die Replantation nach traumatischer Handamputation (Abbildung 6).


Abb. 6: Siegerehrung des Posterwettbewerbs 2026 mit (von links) Oberstarzt Dr. Güsgen, Stabsarzt Neumann, Oberstapotheker Dr. Klaubert.

 

Die satzungsgemäßen Wahlen des Vorstandes der ARCHIS erbrachten eine einstimmige Bestätigung der bisherigen Vorsitzenden, Oberstarzt Dr. Güsgen, sowie seiner beiden Stellvertreter, OFA Dr. Hauer, Berlin, und OTA Prof. Dr. Beltzer, Ulm. Die abschließenden Worte von OTA Dr. Güsgen und OTAp Dr. Klaubert betonten noch einmal die Bedeutung der ARCHIS für den Zusammenhalt der Chirurgen in der Bundeswehr. Die nächste ARCHIS-Tagung findet vom 20. bis 22. Januar 2027 in Berlin statt.

 

Generalarzt a.D.

Prof. Dr. Horst Peter Becker

Chefredakteur der WMM