01.02.2024

Zahnmedizin in der Bundeswehr: Fortbildung - Netzwerken - Kameradschaftspflege

Bericht

Vom 24. bis 26. Januar fand nach einer großartigen Erstveranstaltung im Jahr 2023 zum zweiten Mal die Fortbildungsveranstaltung „Zahnmedizin in der Bundeswehr“ im schönen Bad Nauheim statt. Die Veranstaltung der DGWMP war mit insgesamt 150 Teilnehmern, erstmalig auch mit internationalen Gästen, wieder ein voller Erfolg.

Die Veranstaltung begann am Mittwoch mit der Eröffnung der Dentalausstellung durch den Vizepräsidenten der DGWMP, Herrn Generalarzt a. D. Prof. Dr. Becker. Die besondere Bedeutung des gemeinsamen wertvollen Austauschs zwischen Industrie und Zahnärzteschaft hob er besonders hervor und bedankte sich bei den Ausstellern für die oftmals bereits langjährige engagierte Unterstützung.

Das wissenschaftliche Programm leitete der Vorsitzende des Arbeitskreises Zahnmedizin, Herr Oberstarzt d. R. Dr. Kathke ein, bevor Herr Generalarzt a.D. Prof. Dr. Becker das Auditorium zu der gelungenen Veranstaltung offiziell begrüßte.

In seinen Grußworten dankte der Leitende Zahnarzt der Bundeswehr, Herr Oberstarzt Dr. Rentschler der DGWMP für die Organisation und Durchführung der Tagung, sowie für die Unterstützung des Fachbereichs Zahnmedizin in der Bundeswehr. Der zeitliche Zusammenhang zur vorherigen Arbeitstagung Zahnmedizin des Kdo RegSanUstg ermöglichte wieder eine ideale Verbindung zur Vermittlung aktueller dienstlicher und fachlicher Entwicklungen. Die jahrelange gute Zusammenarbeit mit den zivilen Standesorganisationen hob er besonders hervor und bedankte sich bei Frau Dr. Seiz, Präsidentin der Zahnärztekammern (ZÄK) Hessen, und Herrn OFA d. R.  Allroggen, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) Hessen, für ihre Teilnahme als sichtbares Zeichen dieser Verbundenheit.

Die Präsidentin der ZÄK Hessen, Dr. Seiz, berichtete in ihrem Grußwort über die aktuellen Herausforderungen in der zivilen Zahnärzteschaft wie das Konkurrieren um potentielle Auszubildende und der Rückgang der Praxisniederlassungen in Folge des Demographischen Wandels. Sie stellte das Konzept der ZÄK Hessen vor, das durch Einbeziehen von Influencern in Werbekampagnen oder ZFA-Scouts diesen Entwicklungen entgegenwirken soll. Das durch die ZÄK Hessen bereitgestellte und durch die Bundeswehr langjährig genutzte Qualitätsmanagementsystem „Z-QMS“ sei darüber hinaus die ideale Vorbereitung auf die zivile Praxis und der beste Begleiter während der Praxisgründung.

Herr OFA d.R. Allroggen, Vorsitzender des Vorstandes der KZV Hessen, führte die Liste mit Herausforderungen in der Zahnmedizin fort: Der Versorgungssektor der parodontalen Behandlungen sei aufgrund der geringen Vergütung eingebrochen, halbfertige Telematikprodukte belasten zivile Praxen durch regelmäßig auftretende Störungen, eine flächendeckende zahnmedizinische Versorgung ist zunehmend gefährdet, stattdessen nehmen Investoren geführte MVZ in Ballungsgebieten zu.

Im ersten wissenschaftlichen Vortrag erläuterte Prof. Dr. Dr. Piwowarczyk, Lehrstuhl für Zahnärztliche Prothetik und Dentale Technologie, Universität Witten/Herdecke, anhand anschaulicher Beispiele implantatprothetische Versorgungsmöglichkeiten als Einzelfallentscheidungen  im Rahmen der unentgeltlichen truppenärztlichen Versorgung gemäß der Richtlinien zur zahnärztlichen Versorgung von militärischen Personal.

Eine besondere Ehre war der Besuch des stellvertretenden Inspekteurs des Sanitätsdienstes und Kommandeur Gesundheitseinrichtungen, Generalstabarzt Dr. Weller, welcher in seinem Lagevortrag am Donnerstag die Perspektiven zur Weiterentwicklung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr darstellte, indem die Zahnmedizin ein  integraler Bestandteil einer umfassenden Militärmedizin ist.

Frau Prof. Dr. Jockel-Schneider, Leiterin der Abteilung parodontale Medizin, Universitätsklinikum Würzburg, begeisterte das Publikum mit ihrem interdisziplinären Vortrag über das Dysbiosemodell in der Parodontologie – vom „Baum nicht übertragbarer Krankheiten“ über den Einfluss von Stickstoffmonoxid auf das orale Mikrobiom und die endotheliale Funktion bis hin zum positiven Effekt einer nitratreichen Ernährung, die derzeit in einer laufenden Studie einer Sanitätsoffizierin Zahnarzt mit „Kräuterpralinen“ an Besatzungsmitgliedern einer Fregatte der Deutschen Marine gestützt wird.

Ein weiteres Highlight war der nachfolgende Vortrag von Frau Dr. Bjelopavlovic, Oberärztin in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde, Universität Mainz, in dem sie neue Forschungsansätze zur Untersuchung der Gaumenfaltenpaare als primären Identifikationsmarker vorstellte. Im Rahmen der Identifizierung von unbekannten Verstorbenen stellt der Zahnstatus bereits eines der drei rechtssicheren Identifizierungsmerkmale dar, die Gaumenfaltenpaare könnten hierbei eine wertvolle Unterstützung liefern.

Frau Dreischer, Diplompädagogin, gab in ihrem Vortrag praxisorientierte Tipps zur Selbstreflexion und zum Selbstmanagement in der Führungsposition. Zitate wie „Dinge brauchen die Zeit, die man ihnen einräumt“ oder „FEHLER sind HELFER – nur anders buchstabiert“ stimmten die Zuhörer nachdenklich. Praktische Entspannungstechniken mit dem gesamten Plenum rundeten diesen Programmpunkt ab. Zum Abschluss des Tages zeigte Prof. Dr. Wrbas, Leitender Oberarzt der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie, anhand von Fallbeispielen die Grenzen der Digitalisierung in der Endodontie auf. Trotz Errungenschaften wie der digitalen Radiologie und dem OP-Mikroskop bleibt das manuelle Behandlungsgeschick unersetzlich.

Einen eindrucksvollen Abschluss bildete der Vortrag von Oberfeldarzt Dr. Mund, Oralchirurg in der Abteilung VII Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, welcher anhand vielfältiger Patientenfälle die Bedeutung der zahnmedizinischen Versorgung von Kriegsverletzten  in der Role 4 und der anschließenden vollumfänglichen Rehabilitation zur Rückführung in ein eigenständiges Leben beschrieb. Das in der Geschichte unverändert hohe Aufkommen von Gesichtsverletzungen unterstreicht die zwingende Notwendigkeit der interdisziplinären zahnmedizinischen und mund-kiefer-gesichtschirurgischen Expertise im Bereich der Wehrmedizin. 

Neben dem wissenschaftlichen Programm informierten sich die Teilnehmer in der umfangreichen Industrieausstellung über die neusten Medizinprodukte und technischen Verfahren in vielen Bereichen der Zahnmedizin.

Der gesellschaftliche Anteil im Rahmen des Get- togethers in der Industrieausstellung und dem festlichen Gesellschaftsabend im Spiegelsaal förderte in entspannter und fröhlicher Atmosphäre den zivil-militärischen und kameradschaftlich-kollegialen Austausch und macht bereits heute neugierig auf die nächste Tagung vom 12. – 14. Februar 2025 in Bad Nauheim.

Autor
FltlArzt Bornemann
KdoSanDstBw

 

Weitere Bilder der Veranstaltung können Sie hier einsehen:
https://dgwmp.pic-mediaservice.de/veranstaltung/24